Neues Schloss Schleißheim – Oberschleißheim
Geschrieben am 19.10.2015

Das Neue Schloss entstand im Auftrag Kurfürst Max Emanuels, geplant als Residenz im Hinblick auf die erhoffte Kaiserwürde. Im Winter 1700/01 wurde unter der Leitung des renommierten Hofarchitekten Henrico Zuccalli mit der Realisierung des ursprünglich als Vierflügelanlage geplanten Schlosses begonnen. Der unglücklich verlaufene Spanische Erbfolgekrieg, der Max Emanuel 1704 ins Exil zwang, brachte die Bauarbeiten jedoch zum Stillstand; damals stand kaum mehr als der Rohbau des Hauptflügels. Erst nach der Rückkehr des Kurfürsten aus dem Pariser Exil im Jahr 1715 konnten die Arbeiten wiederaufgenommen werden. Angesichts der Finanzlage des Landes wurde jedoch die ursprüngliche Idee, eine Ehrenhof-Anlage mit gewaltigen Seitentrakten, weiteren Pavillons und dem Alten Schloss auf der Westseite zu schaffen, schrittweise reduziert. Von der großen Konzeption blieb schließlich der monumentale Haupttrakt – das Neue Schloss – unter Verzicht auf die verbindenden Flügel zum Alten Schloss. Die Bauleitung übernahm der aus dem nahen Dachau stammende und in Paris ausgebildete Joseph Effner. Auf ihn geht die künstlerisch überaus bedeutende Ausstattung der Säle und Prunkräume zurück. War auch der Traum vom Kaisertum verflogen und das Geld mehr als knapp, so sollte Schleißheim doch der Pracht nicht entbehren. Zu den Höhepunkten der Innenausstattung zählt die zeremonielle Raumfolge vom barocken Prunktreppenhaus über die großen Säle im Obergeschoss – den Großen Saal und den Viktoriensaal – bis in die Große Galerie. Bedeutende Künstler aus Italien, Frankreich und Bayern – wie die Bildhauer Giuseppe Volpini und Wilhelm de Groff, die Stuckateure Johann Baptist Zimmermann und Charles Dubut oder der Kunstschlosser Antoine Motté – wirkten bei der Innenausstattung zusammen, die thematisch dem Ruhm des siegreichen Feldherrn Max Emanuel gewidmet ist. Die Möbelkunst dieser Zeit ist durch hervorragende Beispiele vertreten. Hierzu gehören die prachtvoll geschnitzten und vergoldeten Konsoltische aus der Hofwerkstatt des Johann Adam Pichler. Meisterwerke der höfischen Textilkunst sind die prächtigen Imperialbetten mit Baldachinhimmel von Kurfürst und Kurfürstin, die nur in seltenen Fällen wie hier an ihrem ursprünglichen Ort erhalten sind. Wesentlichen Anteil an der Innengestaltung haben die Deckenmalereien. Zunächst freskierte der bereits berühmte bayerische Maler Cosmas Damian Asam die Kuppelwölbung über dem Treppensaal und das Gewölbe der Maximilianskapelle. Bald jedoch kam der italienische, zuvor bereits in Ottobeuren tätige Jacopo Amigoni zum Zug. In einer ungeheueren Arbeitsleistung malte er alle Zimmerdecken der beiden Hauptappartements aus und schuf die Deckenfresken der beiden Säle im ersten Obergeschoss, Großer Saal und Viktoriensaal. Das ungeteilte, die gesamte Decke des Großen Saales füllende Fresko war sogar für einige Jahrzehnte das größte Deckenbild der Welt. Beim Tod Max Emanuels Ende Februar 1726 war der Schlosskomplex noch nicht vollendet, der Hauptbau jedoch in weiten Teilen fertiggestellt. Die Ausstattung der Räume war noch an vielen Stellen unvollendet. Der Sohn und Nachfolger Max Emanuels, Karl Albrecht (reg. 1726-45), ließ erst nach und nach die wandfeste Ausstattung durch noch fehlende Marmorkamine, Wandbespannungen, Täfelungen und Bodenbeläge ergänzen. Max III. Joseph (reg. 1745-77), Enkel Max Emanuels und letzter Kurfürst der altbayerischen Linie des Hauses Wittelsbach ließ den Gardesaal zum Speisesaal ausbauen und gab bei dem bayerischen Bildhauer Ignaz Günther zwei reich geschnitzte Schlossportale in Auftrag. Bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts war das Neue Schloss Schleißheim dank seiner durch Kurfürst Max Emanuel begründeten Gemäldesammlung ein großes, zunehmend öffentlich zugängliches Galerieschloss. An diese Tradition knüpft die Staatsgalerie Europäischer Barockmalerei der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen an, die heute in den fürstlichen Appartements und Sälen des Schlosses gezeigt wird. Sie umfasst Werke aller großen Schulen dieser Kunstepoche. 300 Jahre nach der Grundsteinlegung des Neuen Schlosses wurde die einzigartige Barockgalerie nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten im Jahr 2001 in neuer Konzeption wiedereröffnet.

 

Wasserspiele
Die Fontänen im Hofgarten sind von April bis Mitte September täglich zwischen 10 und 16 Uhr in Betrieb.

Öffnungszeiten
April-September: 9-18 Uhr, Oktober-März: 10-16 Uhr, Montags geschlossen. Geschlossen am: 1. Januar, Faschingsdienstag, 24., 25. und 31. Dezember.

Führungen
Führungen finden nicht regelmäßig statt, sind aber für private Gruppen und Themenführungen möglich. Ein Audio-Guide in Deutsch, Englisch, Italienisch und Französisch ist gegen Gebühr erhältlich.

Eintrittspreise 2015
4,50 Euro regulär 3,50 Euro ermäßigt. Gesamtkarte: (Altes Schloss/ Neues Schloss / Schloss Lustheim) 8,- Euro regulär, 6,- Euro ermäßigt. Eingangshalle und Parterre über Rampe erreichbar; Aufzug zum ersten Obergeschoss vorhanden. Museumsladen vor Ort oder unter www.kulturgut.de

Gaststätte
Die Schlosswirtschaft Oberschleißheim Alm, Tel. 089/3151555 für Reservierungen: Tel. 089/31 288672 oder unter www.schlosswirtschaft-oberschleissheim.de

Anfahrt mit dem Auto/Bus
Die Gemeinde Oberschleißheim liegt im Norden von München und ist über die Bundesautobahnen A 92 (Ausfahrt Oberschleißheim) und A 99 (Ausfahrt Neuherberg) sowie die Bundesstraßen B 13 (in München "Ingolstädter Straße") und B 471 erreichbar. Am Neuen Schloss sind etwa 120 kostenlose Parkplätze für Pkw vorhanden. Auch für Busse besteht hier eine Parkmöglichkeit.

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmittel
Auskünfte zur Anreise mit der Bahn erhalten Sie unter www.bahn.de. Informationen zu Fernbusverbindungen und weiteren Verkehrsmitteln finden Sie im Internet. Von München aus fahren Sie mit der S-Bahn (S1 Richtung Freising / Flughafen) bis Oberschleißheim; dann entweder zu Fuß (10-15 Minuten) zur Schlossanlage Schleißheim oder mit dem Bus 292 bis "Mittenheimer Straße" oder "Schloss Lustheim" bzw. mit dem Bus 295 bis "Mittenheimer Straße" (nur werktags).

 

www.schloesser-schleissheim.de

Fotos Neues Schloss Schleissheim,
© Bayerische Schlösserverwaltung
www.schloesser.bayern.de