Urteil zu neuen Fenstern im alten Haus - Mieter muss verstärkt lüften
Geschrieben am 03.11.2016

Der nachträgliche Einbau von modernen Isolierglasfenstern in ein älteres Gebäude kann selbst dann nicht für Feuchtigkeitsschäden, z.B. Schimmelschäden verantwortlich gemacht werden, wenn die Wärmedämmung des Anwesens nicht den geltenden Anforderungen der Energieeinsparverordnung entspricht. Bei älteren Anwesen kann der Mieter nämlich nicht erwarten, dass die Wärmedämmung des Hauses den bei Vertragsabschluss geltenden Maßstäben für Neubauten entspricht.

Vielmehr gelten die zum Zeitpunkt der Errichtung des Gebäudes geltenden Standards als vereinbarte Beschaffenheit (so bereits BGH, Urteil v. 23.9.2009, VIII ZR 300/08, NJW 2010 S. 1133). Beispielsweise entspricht eine nur 24 cm dicke Außenwand dem Stand der Technik bei in den 1960iger Jahren errichteten Gebäuden (so AG Nürtingen, Urteil v. 9.6.2010, 42 C 1905/09, ZMR 2010 S. 468).

Wände stellen die kälteste Stelle im Raum dar

Bei solchen Gebäuden führt auch nicht erst der Einbau von dicht schließenden Fenstern zu einer niedrigeren Temperatur des Mauerwerks im Innenbereich und damit zu Wärmebrücken. Diese waren bereits vorher vorhanden. Es wurden lediglich die noch kälteren Stellen – die alten Fensterscheiben – entfernt, weshalb nunmehr die Wände die kältesten Stellen darstellen. Dies kann jedoch nicht dem Vermieter angelastet werden.

 

Mieter ist zur Nachrüstung von Wärmedämmmaßnahmen nicht verpflichtet

Zur Nachrüstung einer Wärmedämmung ist der Vermieter nach der Rechtsprechung des BGH daher nicht verpflichtet. Dementsprechend hat der Mieter keinerlei Anspruch gegen den Vermieter auf Durchführung von umfangreichen Wärmedämmmaßnahmen, wenn die Möglichkeit besteht, Schwitzwasserbildung durch verstärktes Heizen und Lüften, allerdings in zumutbaren Rahmen zu verhindern. Liegen keine Schadstellen an der Außenwand des Gebäudes vor und sind ferner alle Fensterelemente in einem konstruktiv ordnungsgemäßen Einbauzustand, ist grundsätzlich falsches Heiz- und Lüftungsverhalten des Mieters als Schadensursache anzusehen, weil dann sämtliche Feuchtigkeitserscheinungen und Schimmelpilzbildungen auf Oberflächenfeuchtebildungen aus Kondensationsvorgängen und nicht auf Bauteildurchfeuchtungen von außen zurückzuführen sind. Daher liegt beim Einbau von Isolierglasfenstern in ein im Jahre 1962 errichtetes Gebäude nur dann ein vom Vermieter zu vertretender Mangel vor, wenn den Veränderungen des Raumklimas vom Mieter nicht durch eine entsprechende, ihm zumutbare Veränderung seines Heiz- und Lüftungsverhaltens wirksam begegnen werden kann.

Berufstätiger Mieter sollte 3 bis 4 Mal am Tag lüften

Dabei wird auch ein berufstätiger Mieter durch die Verpflichtung zu 3-4 maligen täglichen Stoßlüften nicht übermäßig belastet, da der Mieter morgens vor Verlassen der Wohnung 1-2 mal, dann nach Rückkehr von der Arbeit sowie am Abend lüften kann (so LG Frankfurt/M., Urteil v. 16.1.2015, 2-2 17 S 51/14, WuM 2015 S. 665). Eine Verpflichtung des Vermieters, den Mieter auf das Erfordernis eines verstärkten Heizens und Lüftens hinzuweisen, soll nach einem neuen Urteil des LG Detmold nicht bestehen, wenn der Austausch der Fenster nicht während des laufenden Mietverhältnisses erfolgt ist, sondern der Mieter die Wohnung bereits mit erneuerten Fenstern bezogen hatte (LG Detmold, Urteil v. 7.10.215, 10 S 42/15, ZMR 2016 S. 546).

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