Der neue Schlaftrend: gemütlich und wohnlich
Geschrieben am 08.03.2016

Das Schlafzimmer wird zum Wohnraum oder: der Wohnraum im Schlafzimmer  

Die meiste Zeit nimmt man den Raum nicht bewusst wahr. Denn im Schlafzimmer schläft man nun einmal. Aber die Möbelindustrie hat noch andere Pläne für den Raum. «Das Schlafzimmer ist zu schade zum Verschlafen», fasst Markus Majerus, Sprecher der IMM Cologne, das Ansinnen der Designer zusammen. «Es wird mehr zum Wohnraum.»
So machen sich die Unternehmen Gedanken, wie die Zeit vor und nach dem Einschlafen im Bett bequemer wird. Gute Nachttisch- und Leseleuchten sowie gepolsterte Kopfteile zum Anlehnen stehen schon länger im Fokus. Doch jetzt beziehen die Unternehmen die Rückenteile noch dicker mit gemütlichen Lagen und im S-l von Sofas. Man sitzt aufrechter und damit besser. Und die Beleuchtung wird ausgefeilter. Auch die übliche Unterhaltungselektronik findet immer mehr Platz und Anschlussmöglichkeiten im Schlafzimmer. Aus Sideboards lassen sich Fernseher ausfahren, Nachttische haben Docking Stations und integrierte Steckdosen für Handys. Einen anhaltenden Hype erleben die hohen, oft als besonders gemütlich geltenden Polsterbetten, bekannt unter dem Markennamen Boxspring. Zwar könne die Branche noch nicht absehen, wie sehr diese Bettenvariante sich durchsetzen wird, sagt Claudia Wieland vom Fachverband Matratzen Industrie. «Diejenigen, die sie selbst im Angebot haben, glauben aber, dass sich der Anteil bei 30 Prozent einpendeln wird.» Die Hersteller üblicher Betten ziehen nach: Sie produzieren nun selbst die Polsterbetten, sagen Wieland und Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbel Industrie übereinstimmend. Auch die Möbel werden «wohnlicher», wie es die Branche gerne ausdrückt. Es gibt vermehrt Regalsysteme für Dekorationen, teils beleuchtet, was im Schlafzimmer bisher nicht üblich war. Und: Sessel oder gar Sofas finden nun Platz in diesem Zimmer. Doch die Frage ist, ob sich dieser Wohntrend durchsetzen kann. Für viele soll das Schlafzimmer doch bewusst Schlafzimmer bleiben: «Ich glaube eben nicht, dass man sich mit Gästen ins Bett legt, um dort zu reden oder einen Film zu schauen», sagt Branchensprecherin Geismann.

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