Wer bezahlt die Schäden?
Geschrieben am 09.06.2016

Noch sind München und Umgebung weitgehend von den massiven Unwettern und Überschwemmungen verschont geblieben. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, welche Rechte und Ansprüche man als Mieter im Falle eines Falles hat. Der Geschäftsführer des Mietervereins München e.V., Volker Rastätter, beantwortet die wichtigsten Fragen für betroffene Mieter.

immostar.de: „Wer bezahlt die Schäden am Eigentum des Mieters?“

Volker Rastätter: „Schäden an der Einrichtung muss der Mieter in der Regel selbst bezahlen, da Hausrat- oder Wohngebäudeversicherungen Überschwemmungsschäden häufig ausgeschlossen haben. Der Mieter kann seinen Vermieter nur dann wegen Schadenersatz in Anspruch nehmen, wenn er ihm Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit nachweisen kann. Das wäre z.B. der Fall, wenn die Überschwemmung durch nicht gewartete Ventile entstanden ist. War der Grund für die Überschwemmung ein Problem in der Kanalisation, kommen auch Ansprüche gegen die verantwortliche Gemeinde in Betracht.“

immostar.de: „Kann der Mieter die Wohnung fristlos kündigen, wenn sie unbewohnbar geworden ist?“

Volker Rastätter: „Wenn erhebliche Gesundheitsgefährdungen drohen, ist der Mieter bei Hochwasser berechtigt, fristlos zu kündigen, z.B. wenn wegen des Hochwassers mit Schlamm und Fäkalien durchsetztes Abwasser aus der Kanalisation in die Wohnung gedrückt wird oder wenn die Mietwohnung mehr als 50 cm unter Wasser steht, völlig durchfeuchtet ist und die Versorgung mit Strom und Gas ausfällt.“

Vermieter zuständig für Reperaturen und Wiederaufbau

immostar.de: „Wer kümmert sich um die Wiederherstellung des beschädigten Hauses?“

Volker Rastätter: „Der Vermieter muss sich um die Reparaturen und die Wiederaufbauarbeiten kümmern und sie durchführen lassen.“

Was sind die Voraussetzungen für eine Mietminderung?

immostar.de: „Kann der Mieter die Miete mindern, wenn er durch die Unwetterschäden in seiner Wohnqualität beeinträchtigt ist?“

Volker Rastätter: „Überschwemmungsschäden in der Wohnung des Mieters sind Wohnungsmängel, die grundsätzlich zu einer Mietminderung berechtigen. Solange die Wohnung nicht uneingeschränkt benutzt werden kann, darf der Mieter die Miete kürzen, auch dann, wenn der Vermieter für die Überschwemmung nicht verantwortlich oder sogar Leidtragender der Überschwemmung und des Hochwassers ist. Steht die Wohnung unter Wasser und ist praktisch nicht mehr bewohnbar, kann der Mieter die Miete um 100 % kürzen.“

Vermieter trifft kein Verschulden an komplett zerstörter Wohnung

immostar.de: „Was ist, wenn die Wohnung komplett zerstört ist?“

Volker Rastätter: „Wenn die Wohnung komplett zerstört ist und den Vermieter kein Verschulden trifft, kann der Mieter weder die Wiederherstellung noch die Überlassung der Wohnung verlangen. Der Vermieter hat also keine Wiederaufbaupflicht. Natürlich kann er auch keinen Mietzins vom Mieter fordern.“

immostar.de: „Wann ist eine Wohnung wirklich komplett zerstört?“

Volker Rastätter: „Grundsätzlich ist das der Fall, wenn eine Wiederherstellung nicht mehr oder nur mit absolut unverhältnismäßig großem Aufwand möglich ist. Hier müssen die zu erwartenden Kosten des Wiederaufbaus, die Zumutbarkeit für den Vermieter, das Interesse des Mieters an der Überlassung und auch eventuell fahrlässiges Verhalten der Parteien mit Bezug auf die Zerstörung gegenübergestellt und abgewogen werden.“

immostar.de: „Vielen Dank. Herr Rastätter.“

Weitere Informationen finden Sie unter:
www.mieterverein-muenchen.de

Foto: Sven Hoppe, dpa