Energieausweis - Abhängig vom persönlichen Verbrauch
Geschrieben am 25.08.2016

Eigentlich sollte es ganz einfach sein: Je grüner und weiter vorn im Alphabet ein Haus auf dem Energieausweis eingestuft ist, umso geringer ist der Energieverbrauch. Aber: «Der Energieausweis ist für viele Menschen verwirrend, weil viele Angaben kaum nachvollziehbar sind», sagt Christian Osthus vom Immobilienverband Deutschland (IVD).

Zur Grobinformation reicht Energieausweis aus

Seit 2014 werden die Gebäude auch in Effizienzklassen von A+ bis H eingeteilt. «Zur Grobinformation reicht der Energieausweis aus», meint Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Aber im Detail lässt sich damit nicht einschätzen, wie hoch die Kosten sein werden.

Wert im Energieausweis hängt vom individuellen Verhalten der Nutzer ab

«Die Energieausweise werden nach unterschiedlichen Verfahren berechnet, ein Vergleich mit anderen Wohnungen ist kaum möglich.» Zum einen lässt sich der Energiebedarf anhand des tatsächlichen Verbrauchs ermitteln. Das ergibt einen Kennwert in Kilowattstunden pro Quadratmeter Nutzfläche, der die Effizienzklasse bestimmt. «Man könnte meinen, je höher dieser Kennwert, desto schlechter ist der energetische Zustand des Gebäudes», betont Osthus. «Aber das muss nicht so sein, weil dieser Wert sehr vom individuellen Verhalten der Nutzer abhängt.» Das bedeutet: «Wenn es im Haus viele Bewohner gibt, die im Winter die Heizung besonders hochdrehen, steigt natürlich der Gesamtverbrauch im Haus. Der neue Mieter kann aber ein ganz anderes Heizverhalten haben.» Dann ändern sich also die Werte.

Man unterscheidet zwischen Bedarfsausweis und Verbrauchsausweis

Bei der anderen Berechnungsmethode wird der Energiebedarf des Gebäudes auf Grund seiner Bauweise zugrunde gelegt. Dann handelt es sich um einen Bedarfsausweis. In die Berechnung fließen Angaben über die Wärmedämmung oder die Haustechnik ein. «Ob die eine Methode besser ist als die andere, ist nicht klar», sagt Osthus. «Die meisten Vermieter nutzen den Verbrauchsausweis, weil der leichter zu erstellen ist.»

Nicht durch hohe Verbrauchswerte vom Kauf abschrecken lassen

Für Häuser mit bis zu vier Wohnungen, die vor 1978 gebaut und seither nicht energetisch saniert wurden, ist aber der teurere Bedarfsausweis vorgeschrieben. Martin Brandis vom Verbraucherzentrale Bundesverband rät: «Interessenten sollten sich nicht ausschließlich wegen einer schlechteren Effizienzklasse oder einem mittleren Verbrauchswert vom Mieten oder Kaufen einer attraktiven Wohnung abhalten lassen.» Denn wie hoch die Energiekosten später sind, hängt auch vom persönlichen Verbrauch ab. Außerdem sind die berechneten Energiekosten Durchschnittswerte für das ganze Gebäude, die je nach Lage der Wohnung stark abweichen können.  

Mehr Informationen erhalten Sie auch hier: 

www.ivd-sued.net
www.mieterverein-muenchen.de
www.vzbv.de

 

Foto/Text: dpa