Im Osten pastellfarbig
Geschrieben am 14.06.2016

Gemäkelt wird immer: Auf dem Balkon ist es zu windig, zu dunkel, zu heiß. Dabei sollte man sich vor Augen führen: Überhaupt einen Balkon zu haben, ist toll. Und außerdem lässt er sich schön gestalten, ganz egal, zu welcher Himmelsrichtung er zeigt.

Der Osten:

Hier geht die Sonne auf - der perfekte Platz fürs Frühstück. Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie schlägt eine Einrichtung in zarten Pastelltönen vor. Sie sorgen für einen Tick mehr Helligkeit, wenn der Balkon im Laufe des Tages im Schatten liegt. Gut ist auch ein Bodenbelag, der die Wärme der Morgensonne speichert. Das können Steinfliesen gut, erklärt Geismann. Oder man sorgt zumindest dafür, dass die Füße nicht zu kalt werden, etwa indem man Fliesen mit einer Dämmschicht und dann Kork- oder Holzfliesen legt, erklärt Buchautorin Katharina Adams aus Linnich.

Der Westen:

Wer einen freien Ausblick hat, schaut hier der Sonne beim Untergehen zu. Der perfekte Ort zum Grillen und Weintrinken. Generell braucht es beim Balkon gen Westen einen Windschutz. Denn das ist in Deutschland die sogenannte Wetterseite, von der am ehesten der Wind und auch der Regen kommt. Hier bieten sich an den Seiten Trennscheiben an oder Paravents, erklärt Buchautorin Adams. Auf windigen Westbalkonen ist wichtig, dass auch Sonnenschirme stabil stehen. Modelle mit Gehwegsplatten kommen dafür infrage, wie Gerd Engelhardt vom Tüv Rheinland erklärt. Auch beim Bodenbelag ist die Wetterseite zu bedenken: Holzbeläge sind keine gute Wahl für Balkone, die ständig Regen abbekommen, erklärt die Buchautorin Esther Herr aus Kenzingen. «Aber dafür gibt es ja inzwischen auch Holz-Kunststoff-Mischungen (WPC), die wetterfest sind.» Und die Farbe der Einrichtung? Nicht zu dunkel gestalten, denn die Farben sollen nicht das Licht absorbieren, sondern reflektieren.

Der Süden:

Auf diesen Balkon scheint die Sonne am längsten direkt. Sitzflächen zur Südseite sind also perfekt zum langen Brutzeln in der Sonne. Aber hier ist natürlich auch Schatten wichtig. Ein Sonnenschirm brauche 40 mal 40 Zentimeter Platz, erklärt die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel (DGM). Der Tüv Rheinland empfiehlt zum Schutz vor UV-Strahlen einen Stoff mit Lichtschutzfaktor 60 bis 80. Die Sonne heizt hier die Fußbodenbeläge auf. Geismann rät daher zu Holzböden. Auch die Möbelfarbe ist hier ein Problem: Dunkles heizt sich in der Sonne auf, und gerade Kunststoff- und Metallmöbel können hohe Temperaturen erreichen. Die DGM rät zu hellen Polsterauflagen, die Rücken- und Sitzfläche komplett bedecken.

Der Norden:

«Wenn es richtig heiß ist, sind sie super. Sie sind dann eine echte Oase», sagt Buchautorin Katharina Adams über Nordbalkone. Und sie sind der perfekte Ort fürs Zurückziehen und Einmummeln. Schön sind hier Möbel mit genau diesem Wohlfühlgefühl, etwa die angesagten Korbsessel zum Aufhängen. Oder gar ein Strandkorb. In den Schatten passen helle Farben, die ein wenig mehr erhellen, wie Geismann erklärt. Und immer gut machen sich in kühleren Räumen warme Farben wie Gelb und Terrakottarot, findet Adams. «Eventuell kann man die Wände auch in diesen Farben streichen.» Gemütlich wirken dazu Holzmöbel und viele Pflanzen.

dpa

Buchtipps:

Katharina Adams: Wohlfühlbalkone: gestalten und genießen, Österreichischer Agrarverlag, 2009, 80 S., ISBN: 978-3704023278
Esther Herr: Mein Balkon: Gestaltungsideen für jeden Typ, Gräfe und Unzer Verlag, 2011, 144 S., ISBN: 978-3833817243

Foto & Text: dpa