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Von Blauregen bis Clematis
Geschrieben am 12.07.2016

Ein altes Fachwerkhaus überwuchert mit Efeu - das sieht nach Romantik aus. Und Grünes am Gebäude hat noch weitere Vorteile: Es schützt das Gebäude vor Witterungseinflüssen und mindert die Temperaturschwankungen. Außerdem sorgt es für Wärme- und Schallschutz und verbessert durch Erhöhung der Luftfeuchte das Klima. Doch die schönen Kletterpflanzen können ihm auch gefährlich werden - nämlich dann, wenn sie nicht zum Bauwerk passen. «Wer einfach irgendeine Kletterpflanze an die Wand setzt, kann schnell sein blaues Wunder erleben», warnt Stefan Brandhorst von der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung.

Selbstklimmer können Fassade beschädigen

Man unterscheidet Gerüstkletterpflanzen und Selbstklimmer. Letztere sind tückisch. Sie sind zwar attraktiv für die Begrünung von Fassaden, weil sie ohne Kletterhilfen hochwachsen können. Aber das ist zugleich auch ihre größte Gefahr: Selbstklimmer wie Efeu und der Wilde Wein bilden sogenannte lichtfliehende Triebe, die aktiv ins Dunkle wachsen. Ihre Haftwurzeln können in Fugen hineinwachsen und die Fassade beschädigen. «Selbstklimmer eignen sich nur für fugenlose, massive Wände», betont Brandhorst. Bei wärmegedämmten Fassaden reicht die Statik für Selbstklimmer nicht aus. Die Putzoberfläche kann reißen, und Wasser dringt ein. Dann funktioniert das gesamte Wärmeverbundsystem nicht mehr.

Starkschlinger können Dachrinnen sprengen

Auch Starkschlinger wie der Blauregen haben es in sich. Auch sie bilden lichtfliehende Triebe. «Ohne regelmäßiges Zurückschneiden werden sie immer kräftiger und sprengen am Ende Dachrinnen oder würgen Regenrinnen ab», sagt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde.

Kletterpflanzen benötigen stabiles Gerüst

Die meisten Kletterpflanzen benötigen ein Gerüst. Ein gutes ist korrosionssicher und hält dem Gewicht der Pflanzen sowie Windlasten stand. «Die Anbringung ist aufwendig und erfordert Fachkenntnis», erklärt Brandhorst. Das Gerüst muss auf die Kletterstrategie der Pflanze zugeschnitten sein.

Gerüst mit senkrechter Ausrichtung ideal für Schlinger

Schlinger wie die Pfeifenwinde brauchen eine Konstruktion mit vorwiegend senkrechter Ausrichtung. Da sie sehr stark wachsen, sind zusätzliche Stützen und Abrutschsicherungen nötig.

Gitter- oder netzförmige Konstruktion ideal für Ranker

Ranker wie die Clematis benötigen dagegen gitter- oder netzförmige Konstruktionen mit Maschenweiten von 10 bis 25 Zentimetern. Und Spreizklimmer wie Jasmin, Rose oder Brombeere entwickeln sich gut mit Hilfe von waagerechten oder gitterförmigen Gerüsten mit Maschenweiten von 30 bis 50 Zentimetern. Sie werden an die Kletterhilfe gebunden und hangeln sich mit Stacheln, Dornen oder Seitentrieben nach oben. Fassadengrün ist relativ pflegeleicht. In heißen trockenen Sommern braucht es ab und zu etwas Wasser. Manche Arten wie der Blauregen benötigen einen jährlichen Rückschnitt. «Wenn die Pflanzen lange Triebe ausbilden, sieht die Fassade bald ungepflegt aus», erklärt Michael Henze, Umweltreferent beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. «Rückschnitt ist auch wichtig, um Fenster, Türen oder das Dach freizuhalten.»

Mehr Informationen erhalten Sie unter nachfolgenden Links

www.gebaeudegruen.info

www.kleingarten-bund.de

www.galabau.de

Foto/Text: dpa