Das skandinavische Design erfindet sich neu
Geschrieben am 17.05.2016

Die Skandinavier gehören zu den Vordenkern in Sachen Design. Das zeigt sich derzeit wieder bei der Inneneinrichtung: Nirgendwo sonst findet man so viele junge Unternehmen, die versuchen, mit neuen Konzepten den Markt für Wohnprodukte zu erobern.

Schwere, teure Materialien

Anfang des Jahres hat sich Handvärk aus Dänemark gegründet. Inhaber Emil Thorup ist als Designer Autodidakt. Bei Thorups Möbeln bleibt nicht mehr viel übrig vom traditionellen Stil der Skandinavier. Die Nordeuropäer verwenden gerne helle Hölzer und stehen für eine schlichte, zeitlose Gestaltung. Thorup arbeitet konträr mit schweren, teuren Materialien wie Stahl, Eisen, Messing und Marmor. Die Farben sind dunkel, vor allem Schwarz dominiert. «Mein Stil ist international, nicht mehr typisch skandinavisch. Er funktioniert in Asien genauso wie in Europa oder den USA», so Thorup.

Neuer Stil

Jacob Gubi ist auch ein Vertreter, der weder an der mächtigen Tradition festhält noch auf der New-Nordic-Welle mitschwimmt. Sein Unternehmen ist seit 1967 in Familienbesitz, aber 2010 hat Gubi sich als Design-Marke komplett neu aufgestellt. Der Hersteller arbeitet
nun mit einer jungen Generation internationaler Designer zusammen. «Ich wollte eine Kollektion aufbauen, die keine kulturellen Grenzen kennt und sich durch eine Vielfalt an unterschiedlichen Einflüssen auszeichnet», erklärt Gubi.

Dunkle Farben, edle Materialien wie Marmor und Messing, samtige Polsterstoffe - das sind also die Zutaten für den neuen Stil. «Wir wollen etwas Neues ausprobieren, einen luxuriösen Look etablieren», sagt auch Josefine Hedemann, Projektleiterin bei New Works. Das Unternehmen aus Kopenhagen gibt es seit 2015. Unter den Produkten befindet sich zum Beispiel ein Stuhl, gefertigt aus unterschiedlich gefärbten Betonelementen. Auch das steht für den neuen Stil: Die Skandinavier sind nicht mehr nur nüchtern-protestantisch, sondern leisten sich eine experimentelle, künstlerische Note.

Geometrische und architektonische Formen

Vor drei Jahren gegründet haben sich Friends & Founders. Das schwedisch-dänische Unternehmen nennt seine Kollektion «non-iconic» und wendet sich damit gegen den inflationär gewordenen Klassikerkult. Geometrische und architektonische Formen dominieren ihre Produkte. Es gibt etwa komplett schwarze Stühle aus kantigem Stahl.

Auch Louise Roe aus Kopenhagen geht mit ihren Wohnaccessoires den Weg der neuen Generation. «Die Materialien sind beim Design vergleichbar mit den Zutaten beim Kochen», findet die Designerin. Roe nimmt für ihre Blumenvasen und Tischwaren Marmor und mundgeblasenes Glas. Beide Materialien verbindet man eher mit dem Design aus Italien - wo Roe in der Modebranche gearbeitet hat.

Die junge Szene steht nicht mehr für einen Purismus, sondern für einen bunten Gestaltungsmix mit Zutaten aus der ganzen Welt.

 

Text: dpa
Foto: Handvärk