Architekten-Wettbewerb 2016: Grundstücksfläche innovativ nutzen
Geschrieben am 22.01.2016

Es ist ein Haus ohne durchgehende Außenwände. Und bei dem Wohngebäude knicken die Wände ab, Quader schieben sich hervor, die Ecken laufen im sehr spitzen Winkel zu. Und das Haus ist komplett aus Glas. «Die Bevölkerung reagiert entweder fasziniert oder empört», berichtet Boris Egli, Architekt aus der Schweiz.

Das Wohnhaus einer Familie mit zwei Kindern ist ein Beispiel für moderne Architektur, die sich perfekt in die Fläche einpasst, die zur Verfügung steht. Denn eine Besonderheit ist die Grundfläche von nur fünf mal neun Metern. Mehr ist für den Architekten nicht übrig geblieben, nachdem er die gesetzlichen Grenzabstände zum Nachbargrundstück abzog. «Das klassische Wohnhaus mit dicken Außenwänden, konventionellen Erschließungstreppen und Verkehrsflächen fand an diesem Ort keinen Platz», erklärt Egli vom Büro L3P Architekten. Er entwarf daher ein Raumwunder. Auf der Grundfläche wurde jeder verfügbare Zentimeter genutzt, oberhalb erweiterten die Architekten die Fläche durch erkerartige Vorsprünge. Doch der gläserne Teil macht nicht das ganze Haus aus. In das Gebäude gelangt man über ein betoniertes Car-Port im Hang, das zu einer 5,44 Meter hohen Eingangshalle im Haus führt. Daran gliedern sich der Keller und der Raum für die Haustechnik an. Auch ein Doppelzimmer mit Bad ist in den Hang hineingebaut. Erhellt wird diese Fläche durch ein Oberlicht.

Mit Anerkennung gewürdigt

Das Haus wurde beim Architekten-Wettbewerb «Häuser des Jahres 2015» vom Callwey-Verlag mit einer Anerkennung gewürdigt. «Es ist sicher nicht das Haus vom Nikolaus, was man für gewöhnlich kennt», sagt der Autor des Wettbewerbsbuchs, Wolfgang Bachmann. Es gibt etwa keine klassische Einteilung in Stockwerke. Die Zimmer reihen sich mittels einzelner Stufen und Podeste aneinander. Natürlich sind solche ungewöhnlichen Bauten nicht überall möglich, zum einen weil Bebauungspläne strikte Vorgaben zur Optik der Siedlung haben können. Aber auch weil die zustimmenden Organe nichts damit anfangen können, weiß Fachjournalist Bachmann. Aber solche Gebäude wie der Glaspalast - so ungewöhnlich avantgardistisch er auf die meisten wirken mag - könnte für viele Bauherren und die Kommunen künftig interessant sein. Denn es zeigt auf, dass eigentlich jedes kleine, noch so ungünstig erscheinende Grundstück bebaubar ist - mit den richtigen Entwürfen. Auch Grundstücksteilungen sind eher möglich, die Kinder bauen etwa im Garten ihrer Eltern.

Es ist ein Haus ohne durchgehende Außenwände

So ein Gebäude steht auch im Garten einer alten Villa in Zürich. Auch dieser Bau musste mit wenig Platz auskommen. Der ständig bewohnte Pavillon besteht im Grunde aus zwei übereinander liegenden Fünfecken. Das untere ist kleiner, wodurch dem Garten so wenig Fläche wie möglich genommen wird. «Die Aufgabe, einen möglichst kleinen Fußabdruck zu hinterlassen, war eine Herausforderung», sagt Christian Brunner vom ausführenden Architektenbüro Oliv Brunner Volk. «Aber deswegen kamen wir auf das pilzförmige Haus.» Auch dieses Gebäude fügt sich perfekt in die bestehende Landschaft und vor allem den Baumbestand ein. Das Besondere: Die durchgängigen Glasflächen lassen den Bewohner so fühlen, als lebe, koche, arbeite und bade er in einem Baumhaus mitten im Wald.
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Foto: © Oliv Brunner Volk, dpa