München-Schwantahlerhöhe

Schwanthalerhöhe – Monumentalstatue und ihr Schöpfer


Luftbild der Schwanthalerhöhe
 
Der Namenspatron

Ludwig Michael von Schwanthaler (1802 – 1848), von König Ludwig I. hoch geschätzter Hofbildhauer und Professor der bildenden Künste in München. Sein, im wahrsten Sinne des Wortes, überragendstes Werk ist die monumentale, begeh- und innen ersteigbare Bavaria oberhalb der Theresienwiese, umgeben von der klassizierenden Ruhmeshalle. Nur zwei Jahre nach seinem Tod wurden die Schwanthalerstraße und das sich neu entwickelnde Viertel westlich der Bavaria nach ihm benannt. Was man dem Viertel heute nicht mehr ansieht, ist sein edler Ursprung, außer man schaut sehr genau hin. Anfangs wohnten hier hochrangige Offiziere und Staatsbeamte in hochwertigen Wohnhäusern, auf ausgedehnten Etagen. Die Vorliebe des gehobenen Wohnens für die Westbereiche der Städte im 19. Jhdt. hängt mit der wachsenden Industrialisierung zusammen. Damals unverzichtbar, die hohen Fabrikschlote, deren Ausstoß durch den vorwiegend wehenden Westwind nach Osten, also vom Westen weg getragen wurde, was für gute Luft im Westviertel sorgte.

Grenzen und weitere Geschichte

Die Schwanthalerhöhe wird im Osten begrenzt durch die Theresienhöhe, oberhalb der Theresienwiese. Die Grenze im Norden, im Westen und im Süden wird jeweils durch Gleiskörper der Bahn gebildet. Diese ausgezeichnete Bahnanbindung sorgte dann auch dafür, dass die herrschaftliche Pracht auf der Schwanthalerhöhe nur kurz währte. Bereits ab 1860 siedelten sich hier verstärkt Industrie und Brauereien sowie ergänzendes Gewerbe an. Mit der Industrie kamen die typischen Bauten für erschwingliche Arbeiterwohnungen mit einfacher Ausstattung. Einer der Hauptarbeitgeber der Schwanthalerhöhe war die Reifenfabrik Metzler, die hier bis zum Ende der 70er Jahre produzierte. Die Augustinerbrauerei hat heut noch ihren Sitz hier. Einfach, günstig und erschwinglich war das Wohnen hier, auch noch in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg. Renoviert und saniert wurde wenig. Nachdem der Wohlstand stieg und Sanierungen und Renovierungen unterblieben, blieben bloß die zurück, die sich keinen höheren Wohnkomfort leisten konnten. Aber eine neue Klientel zog hier gerne ein. Die Gastarbeiter, die man im Ausland angeworben hatte, schätzen die Nähe zum Hauptbahnhof und die im Verhältnis niedrigen Mieten. So veränderte sich in den 60er und 70er Jahren die Bewohnerstruktur und international ist die Schwanthalerhöhe heute noch.

Alte Messe und Immobilien

Infolge des Oktoberfestes gab es auf der Theresienhöhe immer wieder kulturelle und sportliche Ereignisse. Um diese in geordnete Bahnen zu lenken und wirtschaftlich orientierte Veranstaltungen besser einzubinden, wurde 1908 ein Ausstellungspark mit ersten Hallen eröffnet, der im Lauf der Jahrzehnte wuchs. Ab 1964 betrieb man dann systematische Messearbeit und -planung. Binnen der nächsten 20 Jahre stiegen die Anforderungen an Messegebäude, zudem erwies sich die Verkehrsanbindung, gerade zu Messezeiten und den Auf- und Abbauzeiten, als zunehmend problematisch und die Messegesellschaft suchte nach einem neuen Gelände, das sie auf dem aufgelassenen Flughafengelände in Riem fand.

Knallfrosch

Von der Verlegung des Messegeländes 1998 und der kompletten Neubebauung des alten Messegeländes mit Büros und Wohnungen bis 2004 versprach man sich eine Initialzündung für das ganze Viertel. Diese unterblieb jedoch. Zu gleichförmig und steril ist die Bebauung, als dass sie Wirkung hätte entwickeln können. Viele der Wohnungen auf der alten Messe, die wieder zum Verkauf angeboten werden, liegen nur wenig über dem Einstandspreis, wenn sie ihn überhaupt erreichen, häufig darunter. Nur sporadisch, vereinzelt und langsam werden Gebäude im Viertel saniert und renoviert. Die Preisvorstellungen auf der alten Messe sind eher gehoben, die erzielten Preise niedriger, in der restlichen Schwanthalerhöhe, von Ausnahmen abgesehen, eher niedrig bis mittel. Gut angenommen wurden die neuen Büroflächen. Produzierendes Gewerbe, Industrie und Brauereien haben sich, bis auf wenige Ausnahmen, aus dem Viertel zurückgezogen.

Bunt

Das Leben und Wohnen auf der Schwanthalerhöhe ist speziell, eher ursprünglich und international, und vielleicht ist es ein Glück, dass nicht alles so hip und in geworden ist, wie man es sich mit der Neubebauung der Alten Messe vorgestellt hatte. Immer wieder eingestreut findet sich im traditionellen Viertel gewachsene Idylle. Viele Bewohner, die man fragt, möchten nur hier wohnen und nirgendwo anders. Ach ja, das internationale Flair, gehört hierher seit dem frühen 19. Jhdt., denn immer schon wohnten hier die Zuwanderer, die der Arbeit wegen nach München kamen, anfangs Woidler, Österreicher und Italiener, später wurde das Einzugsgebiet für Münchner Arbeitskräfte immer größer und die Nationalitätenmélange bunter.

Text: © Gerschlauer GmbH, Immobilien; Foto: © By Maximilian Dörrbecker (Chumwa) (Own work) [CC-BY-SA-2.5], via Wikimedia Commons