München-Obergiesing

Obergiesing – Amerika und bayerischer Kurort St. Adelheim


Weissenseepark in München Obergiesing
Geschichtlicher Anriss

Obergiesing ging aus der Aufspaltung Giesings 1936 hervor, somit sind Geschichte und Entwicklung der Giesings weitgehend identisch.

Kurort St. Adelheim (Münchner Jargon)

Südlich der Stadelheimer Straße wurde 1832 der Friedhof am Perlacher Forst eingerichtet. Nordwestlich blieb das Gut Stadelheim bestehen. Auf diesem errichtete ab 1892 die Stadt München einen Gefängnisneubau, nachdem die Gefängnisse in der Stadt zu klein und die Zustände unhaltbar geworden waren. Im Laufe der Jahre wuchs die Strafanstalt und heute ist die JVA Stadelheim mit 14 Hektar das größte Gefängnis Deutschlands. Schaurig bewusst wird manchem, bedenkt er, dass hier noch die Todesstrafe vollstreckt wurde. Aber auch prominente Namen stehen auf der Gefangenenliste, historisch weit genug entfernt und unbelastet, z.B. Ludwig Thoma. Ecke Mc-Graw-Graben und Stadelheimer Straße steht ein rund geschwungener, festungsartiger Neubau. Dies ist eine Außenstelle der JVA Stadelheim, Frauengefängnis und Arrestanstalt für Jugendliche, die früher am Neudeck am Mariahilfplatz beheimatet war. Bemerkenswert insoweit, als das 2009 eröffnete Gefängnis von Privatinvestoren errichtet wurde und betrieben wird.

Stars an Stripes in „Giasing“

Südöstlich davon die „Amisiedlung“. Ein vom Reißbrett gezirkeltes Wohnquartier mit zahlreichen Mehrfamilienhäusern, Kino, eigenen PX-Läden und eigener PX-Tankstelle. Hier wohnten mittlere und höhere amerikanische Militärs mit ihren Familien, die längerfristig in der nah gelegenen Mc-Graw-Kaserne (liegt teilweise in Giesing, teilweise in Neuharlaching) Dienst taten, die die Amerikaner nach 1945 hier in ehemaligen NSDAP- und Reichswehrgebäuden etabliert hatten. Die Mc-Graw-Kaserne (benannt nach einem amerikanischen Kriegshelden, der 1944 bei Aachen fiel) beheimatete auch den AFN und eine Dependance der University of Maryland. Sowohl Kaserne als auch gesamtes Wohngebiet wurden beim endgültigen Abzug der Amerikaner 1992 an die deutschen Behörden übergeben. In die Kasernengebäude zogen Behörden und in die Wohnsiedlung Behördenbedienstete zu vergünstigten Konditionen, ein Teil der Wohnungen wurde auf dem freien Markt gehandelt. Die PX-Einrichtungen wurden geschlossen und auch der bayerische Kulturträger im amerikanischen Sektor, die Wienerwald-Gaststätte, überlebten den Abzug genau so wenig wie das „Little Oktoberfest“ (Mini-Wiesn mit Hamburger, Rodeo-Automaten und Bavarian Countrysongs, no Leathertrousers but Stetson).

Obergiesinger Grenzen und Immobilien

Im Norden bildet die Chiemgaustraße die Grenze zu Giesing, im Osten die A 8, im Süden die Stadtgrenze südlich der Fasangartenstraße, und im Westen Mc-Graw-Graben und Tegernseer Landstraße, die hier in die Autobahn E54 übergehen. Zwischen JVA und Autobahn liegt ein Bereich mit kleinen Einfamilienhäusern, der durchaus seinen Reiz hat. An der Fasangartenstraße im Süden steht noch das alte Forsthaus, dem früher eine Fasanenzucht angegliedert war, die dem Häuserstreifen rechts und links, vor allem aber dem Wohnbereich mit schmucken Einfamilienhäusern zwischen den S-Bahngleisen parallel der Balanstraße und der Autobahn A8 den Namen gab. Der Fasangarten gehörte einst zu Perlach, seit langem aber schon zu Obergiesing und stellt eine geruhsame und grüne Wohnlage des mittleren bis gehobeneren Preissegments dar, je nach Mikrolage. Der Fasangarten ist auch S-Bahn-Station. Eine unterschätzte Wohngegend, die wirklich schön ist.

Obergiesings einfacherer Teil

Zwischen Chiemgaustraße und der Stadelheimer Straße, in Verlängerung Ständlerstraße, liegen vorwiegend Wohnblocks genossenschaftlichen Ursprungs und Mietshäuser, einige wenige Einfamilienhäuser und Gewerbebereiche, z.B. röstet hier Dallmayr seinen Kaffee. Das Preisniveau für Immobilien ist hier eher niedrig.

Text: © Gerschlauer GmbH, Immobilien; Foto: © von User:Mattes (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons