München-Neuhausen

Neuhausen – Villen, Kliniken, Genossenschaften und ehemaliges Laster

Westerland
Klosterartiger Neubarock-Komplex am Dom-Pedro-Platz
 
Lage und Geschichte

Neuhausen verfügt über eine spannende Historie, die man ihm heute nur noch bedingt ansieht. Mit der ersten urkundlichen Erwähnung um ca. 900 n. Chr. beginnen auch schon die Unwägbarkeiten Neuhausens: Wurde es nach seinem Gründer benannt oder benannte sich der örtliche Feudalherr nach dem Ort, dem er schließlich eine rechtliche Form und Statuten gab. Der Ort prosperierte und entwickelte sich. Um 1880 herum begann im Grenzbereich zu Nymphenburg und Gern die Entwicklung der Villenkolonie Neuwittelsbach. Die Villen mit ihren Parks um das heutige Rondell Neuwittelsbach und in den angrenzenden Straßen gehören heute noch zu den gehobensten Immobilien der Stadt. Namenspatron natürlich das Herrscherhaus der Wittelsbacher, Anlass für die Widmung: das 700-jährige Bestehen der Dynastie. 1890 wurde Neuhausen nach München eingemeindet. Im gleichen Jahr eröffnete nordöstlich des Romanplatzes einer der seiner Zeit größten Vergnügungsparks Deutschlands. Der Volkspark wurde auf dem Gelände der ehemaligen Nymphenburg-Brauerei, einer von vormals sechs Brauereien im Viertel, errichtet und war per Tram bestens an die Innenstadt angebunden. Nach dem 1. Weltkrieg war Schluss, der Volkspark musste dem Wohnungsbau weichen. Ein Straßenname erinnert dort heute noch an den einstigen Publikumsmagneten.

Neuhausen einzugrenzen ist nicht ganz einfach und oft ist die Zuweisung falsch. Die Eisenbahngleise, vom Hauptbahnhof nach Westen führend, bilden die Südgrenze. Die Westgrenze verläuft entlang der Wilhelm-Hale-Straße, über den Steubenplatz, die Washingtonstraße und Hubertusstraße nordwärts bis zum Nymphenburger Schloßkanal. Im Sommer lieben es die Münchner, an seinen Ufern zu flanieren und im Winter ist er der wahr gewordene Traum der Schlittschuhläufer und Eisstockschützen, wenn – ja, wenn er zufriert. Jeden Winter immer wieder DIE Frage für den Eingeborenen.

Historische Flaniermeile

In Verlängerung des Kanals überquert die Grenze die Waisenhausstraße, läuft entlang des Neuen Städtischen Waisenhauses von 1899 die Dom-Pedro-Straße ostwärts, verspringt vor der Landshuter Allee ein Stück nach Norden, schließt die Ebenau ein und kehrt sich nach Südosten. Hier grenzt Neuhausen an den südlichen Olympiapark, den Ackermannbogen und die Barbarasiedlung, die schon zu Schwabing gehört.

Durch die Infanteriestraße weiter zur Lothstraße, der Ostgrenze zur Maxvorstadt, über die Nymphenburger Straße hinweg, der Maillingerstraße und dem Bogen der Marsstraße folgend, strebt der Grenzverlauf durch die Helmholtzstraße wieder den Bahngleisen zu, der Südgrenze.

Die Helmholtzstraße teilt nicht nur das Stadtviertel, sondern auch den neu erbauten Arnulfpark. Neue Parks sind nur selten grün, der Begriff nur ein aufgeklebtes Etikett. So ist es auch hier: Büros reihen sich an Wohnungen. Schnurgerade Achsen ohne Abwechslung fürs Auge, sinnfreie Plätze, die nicht zum Verweilen einladen. Spärliche Möblierung mit Einzelbäumchen und abstrakten Sitzmöglichkeiten. Die Architektur ist, wie bei vielen neuen Quartieren in München, streng und klar, aber wenig anspruchsvoll, die Preise, für die hier angebotenen Immobilien, sind es um so mehr.

Den feudalen, hochpreisigen Teil Neuhausens mit seinen Bauten aus den Jahren 1880 bis um 1900 hatten wir anfangs schon erwähnt. Ab 1880 entstanden in Neuhausen aber auch Genossenschaftsbauten der Eisenbahner und der Postler. Ende der 20er Jahre in zukunftweisender Architektur die Postversuchssiedlung südlich der Arnulfstraße und die GEWOFAG-Siedlung nördlich der Arnulfstraße, beide heute zwischen Steubenplatz und Donnersbergerbrücke gelegen.

Östlich der heutigen Landshuter Allee lagen von jeher Wohnungen für Bürgertum, Militärs und höhere Beamte. Insgesamt betrachtet, lässt sich im Viertel grundsätzlich ein Schwinden der Grünflächen und eine Zunahme der Wohneinheiten mit abnehmenden Wohnflächen von Nordwest nach Südost beobachten. Ein Trend, der schon vor über 120 Jahren begann.

Einkaufenszentrum und Klinikangebote

Zentrum des Viertels war und ist der Rotkreuzplatz. Seine turbulenteste Zeit dürfte dieser wohl unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg erlebt haben. Die breite, zwischen Rotkreuzplatz und Arnulfstraße verlaufende Donnersbergerstraße war d e r Kriminalitätsschwerpunkt der Stadt: Zentrum des Schwarzhandels, der Prostitution, des Handels mit Drogen, Waffen und gefälschten Medikamenten. Nachtclubs lagen hier und den einen oder anderen Morgen, die eine oder andere Leiche im Hinterhof.

Schaut man sich heute Straße und Platz an, kann man sich das nur noch äußerst schwer vorstellen. Dominiert von Krankenhaus und Kaufhaus, Teilfußgängerzone und Weihnachtsmarkt bietet der Rotkreuzplatz ein Bild behäbiger Geschäftigkeit.

Neben dem Rotkreuzklinikum liegen in diesem Stadtviertel eine ganze Anzahl weiterer Kliniken: die Frauenklinik des Rotkreuzklinikums, die Augenklinik Herzog Carl-Theodor, das Deutsche Herzzentrum, das Krankenhaus Neuwittelsbach, die Kinderklinik an der Lachnerstraße u. a.

Die Sozialstruktur Neuhausens ist bunt gemischt wie auch die Altersstruktur. In einigen Bereichen dokumentiert sich im Straßenbild, dass sich auch junge Familien mit Kindern, die das urbane Leben schätzen, wohl fühlen. Dazu trägt eine ganze Reihe von Schulen und Kindergärten bei. U-Bahn, Tram, Buslinien und S-Bahn bieten eine hervorragende Anbindung an den ÖPNV. Supermärkte, kleine Fachgeschäfte, Restaurants und Wirtschaften gibt es allenthalben – herausragend: das beste Eis der Stadt, beim Sarcletti am Rotkreuzplatz und zwar seit den 20er Jahren des 20. Jhdt.s.

Das Immobilienangebot ist vielfältig: Grundstücke sind eher selten, wie auch Einfamilienhäuser, und sehr hochpreisig. Eigentumswohnungen in den unterschiedlichsten Ausstattungsvarianten, Größen, Renovierungszuständen und Baujahren, vom 19. Jahrhundert bis zu den Neubauten der Gegenwart, sind auf dem Markt. Die Preise reichen vom sehr gehobenen bis zum „normalen“ Preissegment.

Text: © Gerschlauer GmbH, Immobilien; Foto: © By Rufus46 (Own work) [CC-BY-SA-3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons