München-Johanneskirchen

Johanneskirchen: Moor, Lehm und Schwarzbauten


St Johann Baptist in München Johanneskirchen
 
Lage

An der nordöstlichsten Stadtgrenze Münchens liegt Johanneskirchen. Im Norden grenzt es an Unterföhring, im Osten an das Gemeindegebiet von Aschheim. Im Westen wird es vom Verlauf der Cosimastraße und der Johanneskirchner Straße eingefasst, um seine Südgrenze an der Stegmühlstraße zu finden.

Johanneskirchen verfügt über einen S-Bahnhof und die geringste Bewohnerdichte Münchens. Der Grundwasserstand hier ist hoch und der größte Teil des Stadtteilgebietes heißt nicht nur Johanneskirchner Moos, sondern ist es auch. Durchzogen von Entwässerungsgräben, Abläufen und Sammeltümpeln entwickelte sich hier aber auch fruchtbarer Ackergrund. Westlich der Bahnlinie entstanden in den 60er Jahren Wohngebäude im Stil des damals als modern geltenden Betonkubismus. Ein kleinerer Teil war gewerblich genutzt, einst hatte hier der Weltkonzern Siemens-Nixdorf seine Zentrale. Ende der 90er Jahre erfolgten dann hier Abbruch und Neubau von Wohnungen.

Geschichte

Die Ursprünge Johanneskirchens reichen zurück ins 9. Jhdt. Seit dieser Zeit wechselten häufig die Besitzer, denen die Bewohner zugeeignet und später abgabenpflichtig waren. Als Dorfkern gilt der Bereich um die Burg- und Wehrkirche Johann-Baptist, die aus dem 13. Jhdt. stammt. Im 19. Jhdt. lebte die Bevölkerung entweder von der Landwirtschaft oder erkämpfte sich ihr Brot in einer der zahlreichen Ziegeleien, da auch dieser Bereich noch zum breiten Lehmgürtel des Münchner Ostens gehörte.

In der schlechten Zeit der 20er Jahre des 20. Jhdt.s und später unmittelbar nach dem Krieg entwickelte sich auf Gartenbaupachtflächen und kleinen Eigentumsgärten eine rege Bautätigkeit. Es entstanden einfache und einfachste Behausungen, die später immer wieder an- und ausgebaut wurden. Einfach die Ausstattung, einfach die Leute und ihr Gewerbe, z.B. fristete hier bis in die 50er Jahre des 20. Jhdt.s hinein Münchens letzter Hundemetzger mit seinem Betrieb sein Dasein. Den Bauten fehlten nicht nur Wasseranschlüsse, Kanalisation u.a., sondern vor allem jegliche Genehmigungen. Trotz jahrelangem Widerstand der Bewohner war dies eine der wenigen Schwarzbausiedlungen, die die Stadt München nicht im Nachhinein legitimierte, sondern zum größten Teil beseitigen ließ. Dies hinderte die Stadt aber nicht, in den 80er Jahren des 20. Jhdt.s einen großzügigen Bereich südlich der Aaröstraße, im absoluten Outback des Moosgebiets, als inselförmiges Neubaugebiet auszuweisen und zu erschließen.

Es ist schon ein recht eigenes Wohngefühl hier in Johanneskirchen, aber doch auch schön und sehr naturnah. Die Immobilienpreise liegen im gehobeneren Bereich. Verkauft wird hier eher selten etwas, egal in welchem Segment. Wer hier neu zuzieht, muss schon ein wenig an die Örtlichkeit herangeführt werden.

Text: © Gerschlauer GmbH, Immobilien; Foto: © By Bjs (Own work) [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons