München-Giesing

Giesing – Günstiges Wohnen, breites Bebauungsspektrum und nicht unproblematische Zuordnung


Heilig Kreuz Kirche in München Giesing
 
Giesinger Geschichte

Giesing war ein Dorf östlich der Isar, auf dem Hochufer gelegen. Erstmals wurde es Ende des 8 Jhdt.s urkundlich erwähnt. Die Geschichte war wechselvoll und á la longue war der langfristige landwirtschaftliche Erfolg wohl zweifelhaft, denn bereits zu Beginn des 19. Jhdt.s existierten hier nur noch 18 Hofstellen. Vermehrt siedelten sich im Rahmen der Industrialisierung Taglöhner, kleine Handwerker und Kleingewerbetreibende an, mit allen Ausprägungen damaliger Armut. 1817 wurde außerhalb Münchens auf Giesinger Territorium der Ostfriedhof eröffnet und 1832 folgte ein weiterer Friedhof am Perlacher Forst. 1854 schließlich wurde Giesing nach München eingemeindet. Ärmlichkeit und hohe Kriminalitätsrate blieben. Aus dieser Zeit stammt wohl auch der Begriff des Glasscherbenviertels. Zu dessen Ursprüngen bieten sich drei nicht gesicherte Versionen an: zu den Kleingewerbetreibenden gehörten auch Lumpen- und Altglassammler; zerbrochene Fensterscheiben konnten wegen der Armut häufig nicht ersetzt werden und die dritte Version ordnet den Ursprung der Tatsache zu, dass zu dieser Zeit Armut und Trunksucht häufig Hand in Hand gingen und nach den wöchentlichen Zahltagen die Gassen von Scherben zerschmetterter Flaschen übersäht wären, die Volltrunkene auf ihrem Heimweg verursacht hatten. Gleichwohl war und ist der Ausdruck abwertend gemeint. Und eines soll gleich festgehalten werden, ein Glasscherbenviertel ist Giesing heute allemal nicht mehr. 1886 wurde die Heilig-Kreuz-Kirche erbaut, ein architektonischer Leckerbissen am Giesinger Berg. Die proletarische Struktur des Stadtviertels setzte sich fort und nur wenige wissen, dass in der Tegernseer Landstraße, nur ca. 100 m südwestl. der Thelapost, immer noch jenes Haus steht, das beim Niedergang der Münchner Räterepublik im Mai 1919 als letztes von den Roten besetzt und heiß umkämpft war. 1936 wurde Giesing in Giesing, Untergiesing und Obergiesing aufgeteilt. Der hohe Anteil an Arbeitern und kleinen Angestellten blieb erhalten, auch in der Nachkriegszeit. Die besonders günstigen Mieten führten dazu, dass sich viele der Gastarbeiter, die im Laufe der 50er und 60er Jahre im südeuropäischen Ausland angeworben worden waren, hier ansiedelten und großenteils blieben.

Lage

Die Nordgrenze von Giesing bildet die Eisenbahnlinie zum Ostbahnhof, im Nordosten der Gleiskörper der S-Bahn östlich des Ostfriedhofs. Entlang der Werinherstraße macht die Grenze einen Schlenker nach Osten bis zur Balanstraße und verläuft dann südlich bis zur Chiemgaustraße, die die Südgrenze bildet. Die Südwestgrenze ist die Tegernseer Landstraße, da wo sie Teil des Rings ist, bis zur Nordgrenze an der Bergstraße am Isarhochufer, dann entlang des Hochufers zum Giesinger Berg, bis die gedachte Verlängerung wieder die Eisenbahnlinie zum Ostbahnhof erreicht.

Gepräge und Immobilien

In diesem Bereich Giesings hat es mehr kleine Gewerbegebiete als Grünflächen. Die Bebauung ist geprägt von Wohnblocks und Mietshäusern, zum Teil älteren Datums, zum Teil aus den 50er und 70ern und gegenwärtig entstehen auf dem alten Agfa-Gelände gerade ca. 1.200 neue Wohnungen und zusätzlich Büros. Giesing ist gut durch Straßenbahn, Bus, U- und S-Bahn erschlossen. Das Preisniveau ist niedrig bis mittel. Aber Giesing hat im Laufe der Jahre ein eigenes Flair entwickelt, das man nicht unterschätzen darf und viele mögen und schätzen es. Der Bereich zwischen Bahn und Balanstraße, Werinher- und Chiemgaustraße beherbergt ein grünes Gartenviertel mit häufig älteren Einfamilienhäusern, die peu á peu durch Neubauein- und -zweifamilienhäuser ersetzt werden. Sehr schöne Wohnlage, gerade für Familien mit Kindern, die Preise dort liegen durchaus etwas höher.

Text: © Gerschlauer GmbH, Immobilien; Foto: © By Softeis, (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons