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Kuriose, lustige und traurige Momente im Leben eines Zeitungsmannes

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Er ist klein, man sieht ihn kaum und er schleicht sich geschickt ein. Für einen Zeitungsmann ist er der blanke Horror: der „Druckfehlerteufel“ - er lässt einen nicht schlafen und man fürchtet sich gewaltig vor ihm. Das Besondere am Druckfehlerteufel ist aber, im Gegensatz zum Teufel, der „im Detail“ liegt, dass es ihn eigentlich gar nicht gibt.... Oft weiß man gar nichts anderes zu sagen, als „da hat uns mal wieder der Druckfehlerteufel einen Streich gespielt!“ oder „Da hat sich leider der Druckfehlerteufel eingeschlichen“. Schön die Verantwortung abgeben! Seit es die Jünger Gutenbergs gibt, verfolgen sie uns, uns eingefleischte Zeitungshasen: Druckfehler, die lustig, kurios und tragisch sind. Druckfehler fallen nicht dem Autor oder dem Drucker zur Last, sondern werden vom Druckfehlerteufel heimlich „eingepflanzt“. Eigentlich sollten wir froh sein, dass es ihn gibt. Man selbst ist schön raus. Druckfehler unterscheiden sich von Versprechern, das gedruckte Wort ist gedruckt und kann nicht wieder zurückgeholt werden. Etwa wie der Stein, der einmal geworfen, nicht wieder zurückgeholt werden kann. Oder der Brief, der einmal geschrieben wurde...

Unsere Kommunikationswege sind vielfältig. Drei Wege, jemanden etwas mitzuteilen, sind das persönliche Gespräch, das Telefon oder das geschriebene Wort. In den ersten beiden Fällen kann man immer noch korrigieren, sollte einem etwas unglücklich über die Zunge gekommen sein. Geniale Köpfe schreiben „zwischen den Zeilen“, geniale Erzähler sagen viel mit wenig Worten. Geniale Gesprächspartner vermitteln mit Ironie Antworten auf dümmliche Fragen. „Damit Ihr wisst, wie Ihr Euren Kopf bewegt, wenn jemand von der Presse fragt, ob Ihr Fußball spielen könnt“, war die Antwort von Max Merkel als Trainer von 1860 München auf die Frage eines Spielers beim Training, warum denn der Kopf minutenlang von links nach rechts bewegt werden sollte. „Tausende standen an den Hängen und Pisten, sogar der Schah von Persien“ - diesen berühmten Satz sagte der Sportjournalist Heinz Maegerlein bei einer Skireportage in den früheren 60er Jahren und ist ebenso der Nachwelt erhalten geblieben wie Maegerleins Ausspruch „...und nun wickeln die Damen Ihre 100 Meter Brust ab.“ Manchmal aber steht man auch auf der Bremse und sagt Unüberlegtes, wie „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben - den Rest habe ich einfach verprasst!“ (Manchester United-Legende George Best). Der junge Fritz Walter, der damals mit Jürgen Klinsmann beim VfB Stuttgart zusammenspielte, hatte es auch nicht richtig überlegt, als er sagte: „Ich und der Gaudino, wir sind ein geniales Trio“. Berühmte Sätze, berühmter Fußballer: „Ich will nicht ein Drittel, sondern ein Viertel mehr Gehalt.“ (Stan Libuda von Schalke 04) sind in die Fußballgeschichte eingegangen, auch einer der berühmtesten Fauxpas verbaler Art und Weise von Andi Möller auf die Frage, wo er denn spiele möchte: „Egal ob Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien!“.

Aber, ich möchte Ihnen ja von dem ärgsten Feind des Zeitungsmannes erzählen, dem Druckfehlerteufel. Als leichten Übergang in haarsträubende, kuriose und schreckliche Druckfehler aus 46 Berufsjahren sei noch auf ein Werbeplakat einer Kirche im Ruhrgebiet hingewiesen: „An GOTT kommt keiner vorbei.“ Darunter war gesprayt: „Außer Stan Libuda“, der als genialer Fußball-Dribbelkünstler damals bekannt war. Die Kraft und Macht des geschriebenen Wortes....

Besonders schlimm waren in meinem Zeitungsleben die Fehler bei Familienanzeigen. Preisangaben von Lebensmittelanzeigen waren auch ärgerlich, konnten aber sofort den nächsten Tag in Form einer Ersatzanzeige korrigiert werden, was bei unserer Magazinausgabe von immostar.de
wegen der 14-tägigen Erscheinungsweise eigentlich nicht möglich ist. Fehler blieben also bei der Tageszeitung nicht aus. Der Druckfehlerteufel hing wie ein Damoklesschwert über uns. Alle 24 Stunden gab es eine neue Tageszeitung. 100 Menschen in Technik, Redaktion und Anzeigenabteilung waren verantwortlich. Die Todesanzeigen wurden noch in ganz früheren Jahren mit der Hand aufgeschrieben, mit der Schreibmaschine abgeschrieben und dann zwischen den Kollegen verglichen. Meine Güte, komme ich mir alt vor. Oder die Familienanzeigen wurden telefonisch aufgegeben: „en“ oder „em“ waren nicht am Telefon zu unterscheiden. Also wurden wir getrimmt auf „em“ wie „Marta“ oder „en“ wie „Nordpol“. Mancher Bestatter sagte dann in völliger Überraschung bei der Vornamensnennung der telefonischen Anzeigenaufgabe der Traueranzeige: „Nein, nicht Marta, sondern Maria heißt die Verstorbene...“. Wer zuhören kann, ist eindeutig im Vorteil. Es galt auch der Grundsatz: Wenn du etwas schreibst, muss der andere es lesen. Einen bereits gemachten Schreibfehler macht man in der Regel auch ein zweites Mal. Deshalb musste also der Schreiber vorlesen und der Kollege das Geschriebene prüfen.

Natürlich musste ein Lebensmittelgeschäft nicht für Druckfehler haften und auch nicht zum „gedruckten Preis“ verkaufen, wenn zum Beispiel ein Fahrrad statt 200 Mark damals 2.000 Mark (lt. Zeitung) gekostet hat. Wenn aber das Fahrrad für 200 Mark ein „Kampfpreis“ war, weil der Einzelhänder das Fahrrad für 200 Mark auch eingekauft hatte, aber 100 Mark in der Zeitung stand, war es dem Kunden nur schwer erklärbar, dass es ein Druckfehler war. Oder: „Da war er mal wieder - dieser verdammte Druckfehlerteufel!“ Das Ende vom Lied: Um vor seiner Kundschaft nicht schlecht dazustehen, verkaufte das Fahrradgeschäft das Fahrrad auch für 100 Mark, die Rechnung bei der Zeitung wurde nicht bezahlt, endlose Diskussionen fanden statt, Feilschen, Ärger. So ist es - das Leben mit dem Druckfehlerteufel. Aus vielen Berufsjahren also nun einige „Highlights“:

125-jähriges Schützenfest: „Großes Jubiläums-Preisscheißen“

Gutenbergzeit. Matritzen, Matern, Bleisatz - wem auch immer das etwas sagt. Überschriften im Handsatz mit immer wiederverwertbaren, einzelnen Blei-Buchstaben. Eine horrende Arbeit aus heutiger Sicht. Manch ein inzwischen verstorbener Setzer würde sich im Grabe herumdrehen, wüsste er, wie heute Zeitung gemacht wird, sage ich immer an dieser Stelle. Also, der Korrektor hatte Geburtstag, die Setzerei setzte eine Anzeige eines örtlichen Schützenvereins zum 125jährigen Jubiläums-Preisschießen. Man trank einige Bierchen am Geburtstag, was in früheren Setzereien Gang und gebe war. An diesem Tag wollten wir dem Korrektor einen kleinen Streich spielen und vertauschten im Handsatz das „e“ mit dem „i“. Anzeige fertig, Abzug ins Korrektorat. Großes Gelächter. Heute weiß ich nicht mehr genau, ob es der Korrektor angestrichen hatte oder nicht, was aber unerheblich gewesen ist, die Buchstaben wurden wieder korrekt umgetauscht, so dass dem großen Jubiläums-Preisschießen zum Einhundertfünfundzwanzigsten nichts mehr im Wege stand. Bis heute weiß keiner, warum in der gedruckten Zeitung es doch wieder anders herumstand: „Großes Jubiläums-Preisscheißen“. Der Schützenverein nahm es gelassen....

Heilpraktiker-Eröffnungsanzeige: D. (wie Dieter) Sauerland = Dr. Sauerland

Es passierte vor vielen Jahren in einer Kleinstadt... Damals waren die Heilpraktiker noch nicht überall „angekommen“, die zugelassenen, etablierten Ärzte hatten gegenüber den naturkundlichen Kollegen nur Vorurteile und Häme und wollten sie einfach nicht haben. In unserer Kreisstadt sprach sich im Laufe der Zeit herum, dass irgendwann - man wusste nur nicht genau wann - der erste Heilpraktiker nun wirklich seine Arbeit aufnehmen würde. Die Tür ging eines Tages auf, und ein seriös aussehender Mann betrat unseren Zeitungsverlag. Neueröffnungsanzeige. Normalerweise gehen meine Anzeigenvertreter bei gewerblichen Eröffnungsanzeigen zum Schalter, aber alle Kollegen waren auswärts. Ich war also dran - der Chef höchstpersönlich. Also hin. „Guten Tag, Herr Lipp, mein Name ist Sauerland, Dieter Sauerland, ich bin hier der neue Heilpraktiker!“ Damals gab es schon einen Heilpraktikerverband, der, wie bei der Ärztekammer, vorschrieb, dass eine Eröffnungsanzeige nur einspaltig und dreißig Millimeter hoch sein durfte. Jetzt gab es das Problem mit dem langen Namen: „Dieter Sauerland“ und der einspaltigen Schreibweise. Auf meine Frage, ob wir den Namen in zwei Zeilen schreiben dürften, sagte mir Herr Sauerland, dass er seinen Namen gerne in einer Zeile hätte. Der Kunde ist König. Da „Dieter Sauerland“ nicht in fetter Schreibweise in eine Zeile passte, gab ich der Technik ein „D. Sauerland“ vor. Alles in Ordnung, Auftrag erteilt, 120 Mark + MwSt., bar bezahlt. Nächster Morgen. Ich war kaum im Büro, da klingelte mein Hausarzt bei mir an. „Wie kann der nur - der hat doch gar nicht promoviert?“. Ich wusste erst gar nicht, was los war. Ein schneller Blick in die Zeitung bei den Familienanzeigen zeigte mir, dass der Druckfehlerteufel wieder gnadenlos zugeschlagen hatte: Da die Anzeige einen Ärzte-Charakter hatte, hatte der Setzer an der Linotype wohl aus dem „D. Sauerland“ ein „Dr. Sauerland“ gemacht. Katastrophe, ein promovierter Heilpraktiker, der doch kein Doktor war. Die Drähte liefen heiß, der Ärzteverband und andere Ärzte in unserer Kreisstadt unterstellten, dass Herr D. Sauerland aus sich eigenmächtig einen Doktor gemacht hatte. Riesen-Theater! Morgens kommt Herr Sauerland wieder zu mir an den Schalter und sagt: „Herr Lipp, die Anzeige ist falsch, die muss noch einmal rein.“ Das Unfassbare: Trotz aller Vorsichtmaßnahmen und genauer Manuskript-Anweisung erschien die gleiche Anzeige: „Neueröffnung, Heilpraktiker Dr. Sauerland...“. Ich hatte den ganzen Tag wieder mit allen Verbänden zu tun, ungleich heftiger als am Vortag, musste allen Verbänden schriftlich erklären, dass der Fehler erneut wieder bei uns lag. Morgens kommt Herr Sauerland wieder zu mir den an den Schalter und sagt: „Herr Lipp, die Anzeige ist falsch, die muss noch einmal rein.“ Für Herrn Sauerland waren diese Fehler die beste Werbung, die er zu einem kleinen Preis haben konnte,...

Lebensmittelanzeige: Statt Gehacktes „Gekacktes“

Der Klassiker schlechthin, auch bei uns. Damals, als es noch aktuelle Lebensmittelanzeigen in der gedruckten Tageszeitung gab. Tatsächlich so erschienen. Es war immer der Druckfehlerteufel. Peinlich für die Zeitung, peinlich für das Lebensmittelgeschäft in einer Zeit, in der die Tageszeitung eine viel größere Bedeutung hatte als heute.

Gewinnspiel Werbegemeinschaft: „Ausmahlwettbewerb“ für Kinder

Wir veranstalteten innerhalb einer groß angekündigten Sonderveröffentlichung einen achtseitigen Ausmalwettbewerb für Kinder. Meine Idee. Ganz toll. Deshalb habe ich auch selbst die Titelseite gestaltet. Stellen Sie sich riesige Buchstaben schräg auf einer ganzen Tageszeitungsseite vor: „Großer Ausmahlwettbewerb für Kinder! Viele Preise zu gewinnen!“ Das Kuriose daran: Keinem unserer vielen Leser fiel etwas auf. Und wir bekamen viel Post! Bei der Auswertung sitzen wir in einer sechsköpfigen Jury. Fragt die Vorsitzende: „Schreibt man Malen nicht ohne h?“. Peinlich für die Zeitung, konnte man sie doch früher in die Schule mitnehmen, weil sie fast fehlerfrei in Grammatik und Interpunktion war. Ich gebe zu, dass es dieses Mal nicht der Druckfehlerteufel war, der doch so viele Streiche spielt. Sie dürfen mir glauben, dass ich weiß, wie man „ausmalen“ von „Kaffee mahlen“ unterscheidet. Ein einfacher Schreibfehler, der durch alle Korrektur-Instanzen ging. Und das passierte mir - einem, der in Grammatik und Interpunktion fast perfekt ist. Und dann auch noch bei einem Ausmalwettbewerb für Kinder...

Dreispaltige Todesanzeige: statt „In stiller Trauer“ „In stiller Freude“ und „In Dankbarkeit und Freude“

Höchststrafe für einen jungen Anzeigenleiter. Die größte menschliche Katastrophe in meiner 46-jährigen beruflichen Laufbahn mit Abstand! Es geschah in unserer Kreisstadt. Morgens um halb neun ging in unserer Geschäftsstelle die Tür auf und drei Angehörige der Familie, die am Tag zuvor zu Fünft da waren, um die Traueranzeige für den verstorbenen Vater aufzugeben, standen am Schalter. Autsch - da ist etwas schiefgelaufen - das wussten wir gleich, hatten aber selber den Fehler noch nicht gesehen. Kommt schon einmal vor, dass ein Name falsch abgedruckt ist, dachten wir. Unser Druckfehlerteufel hatte sich also wieder eingeschlichen... weit gefehlt! Ich wurde als Anzeigenverantwortlicher zum Schalter gerufen, ging durch unser Großraumbüro und begrüßte den kleinen Kreis der Familie mit angemessener Zurückhaltung, des Druckfehlers voll bewusst. „Herr Lipp, wie kann so etwas passieren?“ Ich schaue in die Zeitung, es steht statt „in stiller Trauer“ „in stiller Freude“ in der Todesanzeige. Höchststrafe, peinlich, ärgerlich, demütigend. Alles, aber auch alles, was Sie in so einem Moment sagen, ist falsch, glauben Sie es mir. Ersatzanzeige, ja oder nein - alles falsch. Selbstverständlich keine Berechnung der Todesanzeige - auch falsch. Kein Theater, keine Aufregung - Fassungslosigkeit vor und hinter dem Schalter. Die Familie geht wieder und hat ihren Vater am übernächsten Tag beerdigt. Zurück blieb ein beschämtes Gefühl, Ratlosigkeit, Fassungslosigkeit...

Perlenkette
42,50 DM statt 425,00 DM

Meinem Onkel Michael ist es in seiner Karriere passiert. Einfach das Komma falsch gesetzt und schon Raport beim Schichtleiter. Das Problem ist, es hätte durchaus der richtige Preis sein können, weshalb das inserierende Juweliergeschäft ein großes Problem miseinen Kunden hatte.

Titelseite! Magazinausgabe von immostar.de: Müchen statt „München“

Ja, und dann ist es auch uns passiert: Die Titelseiten der Magazinausgabe von immostar.de gestalte ich überwiegend selbst. Vier meiner Kollegen schauen drüber, lesen Korrektur, sind bei der Endabnahme dabei. Keiner war`s! Verdammter Druckfehlerteufel! Aber auch ein bekanntes Phänomen: Schreibt der Chef, unterstellt man immer im Innersten, dass er alles richtig schreibt. Man ist nicht so aufmerksam. Dabei „predige“ ich immer: „Seid wachsam, kontrolliert mich, lest quer...“. Ausgabe Nr. 283 - Wohnen und Leben in Müchen und der Region. Diese Titelseite bleibt auch der Nachwelt erhalten. Peinlich. Und das bei uns! Und dass, obwohl wir uns bei immostar.de für relativ fehlerfrei halten, relativ...

Matthias Lipp